Küchenkräuter

Schnittlauch vermehren: So gelingt es Dir ganz einfach

Veröffentlicht: 16.02.2026
Lesezeit: 8 Min.

Praktische Anleitung: In diesem Beitrag lernst Du, wie Du Schnittlauch durch Teilung, Aussaat oder Teilstücke einfach vermehrst und dauerhaft pflegst.

Schnittlauch vermehren: Einfacher Einstieg

Warum eigenen Schnittlauch vermehren?

Das Vermehren von Schnittlauch lohnt sich immer dann, wenn Dein Horst nach ein paar Jahren innen lückig wird, Du mehr Pflanzen für Töpfe und Beete haben möchtest oder einfach unabhängiger von gekauften Kräutertöpfen sein willst. Besonders gefällt mir: Du erhältst schnell wieder kräftige, aromatische Halme – und die Pflanze verjüngt sich ganz nebenbei.

Je nach Methode dauert die Vermehrung unterschiedlich lange: Die Teilung liefert sofortige Ergebnisse, die Aussaat eignet sich, wenn Du viele Pflanzen brauchst, und Teilstücke sind eher ein kleines Experiment, das mal gelingt und mal nicht.

Das brauchst Du für den Start

Zum Vermehren von Schnittlauch brauchst Du kein großes Arsenal, aber ein paar Dinge machen die Arbeit deutlich entspannter: ein sauberer Spaten oder eine Grabegabel, eine scharfe Schere oder ein Messer, lockere Erde und – wenn Du im Topf arbeitest – Gefäße mit Abzugslöchern. Ich stelle außerdem immer gleich eine Gießkanne bereit, weil frisch geteilte oder gesäte Pflanzen gleichmäßige Feuchtigkeit mögen.

  • Spaten oder Grabegabel (zum Ausheben und Lockern)
  • Scharfe Schere/Messer (zum Teilen oder Kürzen)
  • Lockere Pflanzerde oder feinkrümelige Beet-Erde
  • Töpfe/Kästen mit Abzugslöchern und Untersetzer

Schnittlauch vermehren: Drei bewährte Wege

Teilung: Schnell und zuverlässig

Wenn Du schnell wieder einen dichten Bestand haben möchtest, ist die Teilung die einfachste Methode. Ein älterer Schnittlauchhorst wird mit den Jahren oft kompakt, manchmal sogar innen holzig oder kahl. Durch das Teilen setzt Du mehrere junge Stücke, die wieder kräftig austreiben. Für mich ist das die Methode, die am wenigsten Aufwand macht und am zuverlässigsten funktioniert.

Die Teilung passt besonders gut, wenn Du ohnehin umpflanzen willst oder wenn der Schnittlauch in der Mitte schwächelt. Nach dem Einpflanzen brauchst Du nur noch Feuchtigkeit und ein paar Wochen Geduld, dann kannst Du meist schon vorsichtig ernten.

Aussaat: Für Geduldige

Wenn Du Schnittlauch vermehren willst und gleich mehrere Töpfe oder eine kleine Reihe im Beet planst, ist die Aussaat praktisch. Du bekommst viele Pflanzen für wenig Geld, musst aber mit längerer Wartezeit rechnen: Keimung, Pikieren (falls nötig) und das erste kräftige Wachstum brauchen Zeit.

Für mich ist die Aussaat vor allem dann sinnvoll, wenn ich frisches Saatgut übrig habe oder eine neue Ecke im Garten füllen möchte. Der Geschmack ist später genauso gut – nur eben nicht sofort.

Stecklinge: Die seltene Alternative

„Schnittlauch aus Stecklingen“ klingt zunächst unkompliziert, ist aber nicht so zuverlässig wie bei manchem anderen Kraut. Man kann es versuchen, indem man einzelne Triebbüschel mit etwas Basalstück (also dem unteren, verdickten Bereich) abnimmt und sehr gleichmäßig feucht hält. Reine, abgeschnittene Halme ohne Basis treiben in der Regel nicht neu aus.

Ich sehe Stecklinge eher als Ergänzung: Wenn beim Teilen kleine Stücke abfallen, die noch etwas Basis und Wurzelansatz haben, setze ich sie als Reserve in einen Topf. Wenn sie anwachsen, ist das schön; wenn nicht, kein Problem.

Schnittlauch durch Teilung vermehren: Die Anleitung

Der perfekte Zeitpunkt

Am liebsten teile ich Schnittlauch im Frühjahr, sobald der Boden bearbeitbar ist und die Pflanze wieder zu wachsen beginnt. Auch nach der Blüte im Spätsommer funktioniert es gut, weil der Horst dann noch genug Zeit hat, sich bis zum Winter einzuwurzeln. Meide Tage mit starker Mittagssonne oder staubtrockenem Boden – das stresst die Teilstücke unnötig.

Wenn Dein Schnittlauch schon sehr dicht ist, kannst Du ihn etwa alle zwei bis drei Jahre teilen. Das hält ihn vital und verhindert, dass er in der Mitte vergreist.

Schritt 1: Pflanze vorsichtig ausgraben

Steche mit dem Spaten oder besser mit der Grabegabel rund um den Horst in den Boden, mit etwas Abstand. Dann hebst Du den Wurzelballen Stück für Stück an. Ich ziehe nicht an den Halmen oben – die reißen schnell, und am Ende hast Du weniger Halt am Ballen.

Wenn der Ballen draußen ist, klopfe grobe Erde leicht ab. Ein kurzer Blick genügt meist: Du siehst einzelne Büschel mit Wurzeln – genau dort willst Du später trennen.

Schritt 2: Wurzelballen trennen

Jetzt kommt der Teil, der sich ruhig rustikal anfühlen darf: Du kannst den Ballen mit den Händen auseinanderziehen oder mit einem Messer oder Spaten durchtrennen. Ich teile gern in Stücke, die jeweils mehrere Triebe und ausreichend Wurzeln haben. Zu kleine Stücke wachsen zwar manchmal an, brauchen aber deutlich länger und gehen eher ein.

Sehr alte, braune oder hohle Stellen in der Mitte sortiere ich aus. Das ist keine Verschwendung, sondern Verjüngung: Die Kraft soll in die frischen Bereiche gehen.

Schritt 3: Teilstücke einpflanzen

Setze die Teilstücke so ein, dass sie ungefähr in derselben Tiefe wie zuvor sitzen. Drücke die Erde gut an, damit keine Hohlräume bleiben, und gieße gründlich. In den ersten ein bis zwei Wochen halte ich die Erde gleichmäßig feucht, aber nicht nass – Staunässe bremst eher, als dass sie hilft.

Wenn Du im Topf pflanzt: Achte auf Abzugslöcher und eine lockere Erde. Ich stelle frisch geteilte Töpfe gern ein paar Tage halbschattig, bis die Pflanzen wieder kräftig stehen.

Schnittlauch durch Aussaat vermehren: So klappt's

Samenwahl und Vorbereitung

Für die Aussaat nehme ich am liebsten frisches Saatgut, weil die Keimfähigkeit damit meistens besser ist. Wenn Du eigene Samen verwenden willst, lass die Blütenstände vollständig ausreifen und trocken werden, dann rieseln die schwarzen Samen beim Reiben leicht heraus. Lagere sie trocken und dunkel, bis Du säst.

Vor dem Säen lockere ich die Erde fein auf und entferne grobe Stücke. Schnittlauch keimt zuverlässiger, wenn die Oberfläche schön krümelig ist und beim Gießen nicht gleich verschlämmt.

Aussaat im Topf: Schritt für Schritt

Fülle den Topf mit lockerer Erde und drücke sie leicht an. Säe die Samen eher dünn aus, damit es später nicht zu eng wird. Ich bedecke sie nur ganz leicht mit Erde – wirklich nur ein Hauch – und drücke noch einmal sanft an, damit Samen und Erde Kontakt haben.

Dann gieße ich vorsichtig (am liebsten mit feinem Strahl), sodass nichts weggeschwemmt wird. Ein heller Platz ohne starke Mittagssonne ist für den Start ideal. Wenn sich ein „Teppich“ bildet, kannst Du später kleine Büschel vereinzeln oder die Pflanzen als Horst zusammenlassen, je nachdem, wie Du sie nutzen willst.

Aussaat im Beet: Das solltest Du beachten

Im Beet gelingt die Aussaat gut, wenn der Boden feinkrümelig und unkrautfrei ist. Ich ziehe flache Rillen, säe sparsam und decke nur leicht ab. Wichtig ist gleichmäßige Feuchte: Wenn die Oberfläche immer wieder vollständig austrocknet, verzögert sich die Keimung oder sie fällt ungleichmäßig aus.

Ein Tipp aus der Praxis: Markiere die Reihe. Schnittlauch lässt sich als Jungpflanze leicht übersehen, und beim Jäten ist sonst schneller etwas versehentlich entfernt, als Dir lieb ist.

Keimung und erste Pflege

Bis zur Keimung brauchst Du etwas Geduld. Halte die Erde konstant leicht feucht, aber ohne Pfützen. Sobald die Pflänzchen ein paar Zentimeter hoch sind, gieße ich lieber seltener, dafür durchdringender – so lernen die Wurzeln, tiefer zu wachsen.

Wenn es zu dicht wird, vereinzle vorsichtig. Zu eng stehender Schnittlauch bleibt oft dünn und kippt leichter, während etwas Platz für Luft und Licht sehr förderlich ist.

Pflege nach der Vermehrung: Für kräftiges Wachstum

Der ideale Standort

Schnittlauch mag es hell bis sonnig, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht, sofern der Boden nicht austrocknet. Im Topf ist ein Platz mit Morgen- oder Abendsonne oft ideal, weil die Erde dann nicht so schnell aufheizt. Im Beet achte ich darauf, dass er nicht vollständig unter größeren Pflanzen verschwindet – zu wenig Licht macht die Halme weich und dünn.

Was den Boden betrifft: locker, humusreich und nicht staunassend. Wenn Du schweren Boden hast, hilft es, etwas reifen Kompost und lockeres Material einzuarbeiten, damit Wasser besser abläuft und dennoch Feuchtigkeit gehalten wird.

Richtig gießen und düngen

Beim Vermehren von Schnittlauch ist das Gießen der wichtigste Punkt. Frisch geteilte Stücke und junge Sämlinge dürfen nicht austrocknen, gleichzeitig ist dauerhaft nasse Erde der schnellste Weg zu schwachem Wuchs. Ich prüfe mit dem Finger: Oben leicht antrocknen lassen, darunter soll es noch frisch sein.

Beim Düngen halte ich mich zurück: Ein bisschen Kompost im Frühjahr oder eine sehr moderate Nachdüngung nach einer stärkeren Ernte reicht meist. Zu viel Dünger sorgt zwar für Masse, reduziert aber oft das Aroma und führt zu weichen Halmen.

Ernte und Schnitt für buschigen Wuchs

Damit Schnittlauch schön buschig bleibt, schneide ich regelmäßig, aber mit Bedacht. Schneide die Halme nicht einzeln in der Mitte ab, sondern bündelweise einige Zentimeter über dem Boden. So treibt die Pflanze gleichmäßig nach und wirkt gepflegt.

Nach Teilung oder Aussaat warte ich mit der ersten richtigen Ernte, bis Du klaren Neuaustrieb siehst und die Halme stabil stehen. Für den Anfang genügen ein paar Halme für die Küche – der Horst soll zuerst Kraft sammeln.

Häufige Fehler beim Schnittlauch vermehren und wie Du sie vermeidest

Falscher Zeitpunkt

Mitten in Hitzeperioden zu teilen ist einer der häufigsten Gründe, warum Teilstücke schlappmachen. Wenn Du nur dann Zeit hast, geht es trotzdem: Teile am Abend, gieße gründlich und stelle Topfpflanzen ein paar Tage geschützt. Im Frühjahr oder Spätsommer ist es jedoch deutlich entspannter.

Bei der Aussaat ist Ungeduld ein typischer Fehler: Wenn es kühl ist, dauert alles länger. Besser gleichmäßig feucht halten und nicht ständig nachsäen, nur weil nach ein paar Tagen noch nichts zu sehen ist.

Zu tiefes Pflanzen oder Säen

Beim Teilen gilt: Nicht tiefer setzen als zuvor. Zu tief gepflanzter Schnittlauch braucht länger, um wieder durchzustarten, und kann im ungünstigen Fall faulen, wenn die Basis dauerhaft feucht liegt. Bei Samen ist es ähnlich: Zu tief gesät keimt oft schlechter. Eine hauchdünne Abdeckung reicht völlig.

Wenn Du unsicher bist: Lieber etwas zu flach als zu tief – nachlegen mit Erde kannst Du immer noch; das Ausgraben ist für die Pflanze deutlich mehr Stress.

Ungünstiger Boden oder zu wenig Licht

Schwere, verdichtete Erde führt schnell zu Staunässe, und dann stockt der Wuchs. Lockere den Boden vor dem Pflanzen gut und arbeite etwas Humus ein, damit er Wasser hält, aber nicht schmierig wird. Im Topf ist fehlender Ablauf ein Klassiker: Ohne Abzugslöcher steht das Wasser unten, und die Wurzeln leiden.

Zu wenig Licht erkennst Du an langen, dünnen, hellgrünen Halmen. Dann lieber umstellen oder im Beet einen Platz wählen, der nicht dauerhaft beschattet ist.

Zu frühe oder zu intensive Ernte

Nach dem Vermehren von Schnittlauch ist die Versuchung groß, sofort kräftig zu schneiden. Wenn Du aber die Pflanze auf null zurückschneidest, fehlt ihr Blattmasse zum Weiterwachsen. Ich ernte anfangs zurückhaltend und lasse immer genug stehen, damit die Pflanze Energie nachschieben kann.

Wenn Du einen starken Rückschnitt vornehmen willst (zum Beispiel weil der Bestand schlapp ist oder blühen möchte), dann danach gut wässern und ein paar Wochen wachsen lassen, bevor Du wieder regelmäßig erntest. So bleibt der Schnittlauch dauerhaft kräftig und bereitet Dir lange Freude.

FAQ

Wie oft sollte ich Schnittlauch teilen?

In der Regel reicht es, Schnittlauch alle zwei bis drei Jahre zu teilen. Spätestens wenn der Horst in der Mitte lückig oder schwach wird, ist es Zeit für eine Verjüngung. Durch das Teilen bleibt die Pflanze vital, treibt kräftiger aus und bildet wieder dichte Büschel.

Kann ich Schnittlauch aus abgeschnittenen Halmen nachziehen?

Reine, abgeschnittene Halme ohne Wurzel- oder Basalstück treiben normalerweise nicht neu aus. Damit ein Teilstück anwächst, braucht es immer etwas vom unteren, verdickten Bereich mit Wurzelansatz. Deshalb ist die Teilung deutlich zuverlässiger als das Vermehren über einzelne Halme.

Wie lange dauert es, bis ich nach der Vermehrung ernten kann?

Nach einer Teilung kannst Du oft schon nach wenigen Wochen vorsichtig ernten, sobald sich stabiler Neuaustrieb zeigt. Bei der Aussaat dauert es deutlich länger: Je nach Temperatur und Wachstum brauchst Du meist mehrere Wochen bis zur ersten kleinen Ernte. Wichtig ist, anfangs nicht zu viel auf einmal zu schneiden, damit sich die Pflanze gut etablieren kann.